Kostenoptimiertes Fräsverfahren: Breitbandausbau geht günstiger

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Schnelle Internet-Verbindungen sind in Deutschland trotz Initiativen von Bund und Ländern zum Ausbau des Glasfasernetzes noch nicht selbstverständlich. Vor allem dünner besiedelte Landstriche quälen sich mit langsamen Datenübertragungsraten. Dabei wird der ländliche Raum für Unternehmen oft erst durch eine gute Infrastruktur attraktiv. Mit Micro-Trenching könnte es endlich vorangehen: Das neue kostenoptimierte Fräsverfahren für Asphaltstraßen ist um ein Mehrfaches schneller als konventionelle Verlegetechniken. Als Vertriebspartner des Maschinenherstellers Tesmec/Marais hat das Bauunternehmen Leonhard Weiss, Stuttgart, bereits mehr als 30 Micro-Trenching Bauprojekte in Deutschland realisiert.

Schnelles und wirtschaftliches Verfahren

Die Verlegung von Glasfaserkabeln gilt vielen Städten und Gemeinden bislang als aufwendig. Im gewohnten Verfahren werden die Kabel als Freileitung geführt, in unbebauten Flächen gepflügt beziehungsweise gefräst oder in aufwendigen Baustellen abschnittsweise unter befestigten Straßen und Gehwegen verlegt. Dafür muss der Asphalt abgefräst oder aufgebrochen und ein Graben per Bagger ausgehoben werden. Das bringt mehrere Nachteile mit sich: Das Grabenprofil ist allein durch die Größe des Baggerlöffels mindestens 30 Zentimeter breit. Selten sind mehr als 50 Meter Graben pro Tag durchführbar. Eine unnötig große und langwierige Baustelle ist die Folge. Viel Aufwand für ein Rohr mit höchstens 11 Zentimetern Durchmesser – Aufwand, der den Breitbandausbau im derzeitigen Verfahren langsam und teuer macht.

Eine wesentlich schnellere und wirtschaftlichere Lösung verspricht das Micro-Trenching. Bei diesem neuen Verfahren wird mithilfe einer Fräsmaschine ein minimaler Kabelgraben in die Verkehrsflächen gefräst, der sofort wieder verschlossen werden kann. Bereits 15.000 Kilometer Kabel sind auf diese Weise in mehreren europäischen Staaten verlegt worden.

Der neue Georadar 2.0 von Tesmec/Marais scannt mit 34 Antennen den Untergrund von Verkehrswegen und liefert ein exakt lesbares Abbild eventuell vorhandener Leitungen und Rohre. – Foto: Leonhard Weiss

Bis zu 500 Meter pro Tag

In Deutschland ist Micro-Trenching dagegen noch wenig bekannt. Das Bauunternehmen Leonhard Weiss übernimmt jetzt Pionierfunktion und hat mit speziellen Fräsmaschinen von Tesmec/Marais bundesweit mehrere 100 Kilometer Kabel verlegt, unter anderem für namhafte Netzbetreiber. Einer von ihnen, Deutsche Glasfaser, möchte den Ausbau im ländlichen Raum großzügig voranbringen und sucht nach innovativen Verfahren, die sich für das Unternehmen rechnen. Henk Schepers, Leiter Netzbau, hat sehr gute Erfahrungen mit Micro-Trenching gemacht: „Das Verfahren ist wirtschaftlicher und sehr viel schneller als die herkömmliche Bauweise. Eine Baustelle für die direkte Hausanbindung Fiber to the home ist an einem Arbeitstag vollständig abgeschlossen.“

Volker Braun, Oberbauleiter im Bereich Netzbau von Leonhard Weiss, bestätigt: „Micro-Trenching ist acht- bis zehnmal so schnell. Mit der Cleanfast-Fräse von Tesmec/ Marais können wir bis zu 500 Meter Kabel am Tag verlegen.“ Schnellere Bauzeit bedeutet nicht nur weniger Fahrtzeit der Maschine und weniger Personalbedarf, sondern auch weniger Lärm, weniger Straßensperrungen, weniger CO2- Ausstoß und weniger Energie- und Ressourcenverbrauch. Micro-Trenching ist eine besonders saubere und kostenoptimierte Lösung, gerade für Kommunen und Zweckverbände.

Ablauf des Verfahrens

Optimiert ist Micro-Trenching für Glasfasertechnik mit Microröhrchen, deren Durchmesser zwischen 3 und 8 Zentimeter beträgt. Das Verfahren lässt sich in allen Verkehrsflächen mit intaktem Asphalt einsetzen. Als Vorbereitung muss deshalb der Schichtenaufbau der Straße geklärt werden. Auch die Lage anderer Rohre und Versorgungsleitungen im Untergrund muss bekannt sein. Der Bau selbst läuft in vier Arbeitsschritten ab.

Die Maschine saugt durch zwei Absaugrohre den Aushub direkt hinter der Frässcheibe ab. – Foto: Leonhard Weiss

Begonnen wird mit der Kennzeichnung des Trassenverlaufs. Daran fährt die Cleanfast-Fräse anschließend entlang und fräst durch die Asphaltschicht einen 8 bis 13 Zentimeter schmalen Kanal mit klaren Schnittkanten bis zu 51 Zentimeter tief in den Boden. Gleichzeitig saugt die Maschine durch zwei Absaugrohre den Aushub direkt hinter der Frässcheibe ab und lagert ihn in einem 8 Kubikmeter großen Fahrzeugbehälter. Ist der Behälter voll, wird der Aushub seitlich in flache Container abgekippt und abgefahren. Das geringe Grabenvolumen erzeugt weniger Aushub und in der Folge reduzierte Deponie- oder Recycling-Kosten. Durch das direkte Absaugen des Aushubs bleibt die Straße sauber, und der Graben bietet einen festen Stand. Die Rohre können also sofort verlegt werden. Zuletzt wird der Fräskanal mit einem speziellen Verfüllbaustoff wieder aufgefüllt. Nach der Aushärtungszeit des Verfüllbaustoffs werden die Asphaltoberfläche überlappend, gemäß den Straßenbauvorschriften, abgefräst und die Asphaltschichten neu eingebracht (ZTV AStB/ ZTV-Asphalt-StB).

Nach nur zwei Stunden wieder befahrbar

Um für jeden Untergrund und jede Geologie den passenden Baustoff zu verwenden, hat Leonhard Weiss in Kooperation mit der Hochschule Biberach und dem baden-württembergischen Ministerium für den ländlichen Raum in einem Forschungsprojekt umfangreiche Tests zur Optimierung der Verfüllbaustoffe durchgeführt. Bei flachem Gelände wird ein zeitweise fließfähiger, selbstverdichtender Baustoff verwendet, der durch einen Trichter in den Schlitz gefüllt und sofort geglättet wird. Das flüssige Material schließt sämtliche Hohlräume des Grabens. Der aufgefüllte Abschnitt ist bereits nach zwei Stunden wieder begeh- und befahrbar.

www.leonhard-weiss.de

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