KBD 09/20

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Gefordert, aber nicht überfordert

In der Corona-Pandemie haben die Gesundheitsämter in den kreisfreien Städten und Landkreisen eine Schlüsselrolle vor Ort. Der Deutsche Landkreistag und der Deutsche Städtetag haben vor diesem Hintergrund mit einer gemeinsamen Umfrage die Personalausstattung beim Öffentlichen Gesundheitsdienst in den Flächenländern ermittelt.

Wesentliche Ergebnisse: Die 356 Gesundheitsämter in den Flächenländern haben derzeit insgesamt rund 13.900 Stellen mit Ärztinnen und Ärzten sowie nichtärztlichem Personal besetzt. Angesichts der Corona-Pandemie haben die Ämter weitere rund 5900 Beschäftigte eingesetzt, vor allem zur Kontaktnachverfolgung, für Corona-Tests und zur Kontrolle von Quarantäne.

„Die Gesundheitsämter sind stark gefordert, aber sie sind nicht überfordert. Sie haben die Herausforderungen der Pandemie bisher gut bewältigt“, kommentiert der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, die Ergebnisse: „Die Ämter sind deutlich besser ausgestattet, als in der öffentlichen Debatte zum Teil vermittelt wird.“

Dedy begrüßt die Hilfen des Bunds für die Gesundheitsämter in Höhe von 4 Milliarden Euro über fünf Jahre und sieht dafür wegen Corona auch deutlichen Bedarf. „Den Personalbestand der Ämter für normale Zeiten konnten wir kurzfristig durch zusätzliche Kräfte aus anderen Bereichen der Verwaltung ausweiten. Aber wir brauchen jetzt für die gesamte Dauer der Pandemie mehr Beschäftigte, um Corona weiterhin so wirksam wie möglich zu bekämpfen. Die finanziellen Zusagen des Bunds sind deshalb ein gutes Signal. Darüber hinaus brauchen wir in Deutschland mehr Ärztinnen und Ärzte. Dazu müssen die Länder rasch mehr Kapazitäten für die Medizinerausbildung schaffen. Und die Ausbildung muss stärker die Besonderheiten des öffentlichen Gesundheitsdienstes berücksichtigen“, so der Städtetags-Hauptgeschäftsführer.

An der Umfrage haben 252 von 356 Gesundheitsämtern teilgenommen. Aufgrund dieser hohen Beteiligung lässt sich das Ergebnis auf alle Gesundheitsämter in den Flächenländern hochrechnen. Die Ergebnisse der Umfrage im Einzelnen:

  • Bundesweit werden in den Flächenländern über 3300 Vollzeit-Planstellen für Amtsärztinnen und Amtsärzte vorgehalten, das sind knapp zehn Planstellen pro Gesundheitsamt. Bei den medizinischen Fachangestellten, Hygienekontrolleuren und weiterem medizinischen wie nichtmedizinischen Personal werden darüber hinaus über 11.600 Vollzeit-Stellen bereitgestellt. Insgesamt gibt es damit in den Gesundheitsämtern 14.900 Stellen.
  • Besetzt sind rund 2900 der Stellen für Ärztinnen und Ärzte (Besetzungsquote 87 Prozent). Beim nichtärztlichen Personal sind rund 11.000 Stellen besetzt (Besetzungsquote 94,5 Prozent). Insgesamt sind damit in den Gesundheitsämtern in den Flächenländern bundesweit rund 13.900 Stellen besetzt. Aufgrund von Teilzeit-Beschäftigung ist die Gesamtzahl der Beschäftigten höher als die Zahl der besetzten Stellen. Unbesetzt ist ein Teil der Stellen zum Beispiel wegen Fluktuation oder Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Fachkräften.
  • Zusätzlich zu den Planstellen waren zum Stichtag 15. Juni in den Gesundheitsämtern rund 5900 Beschäftigte eingesetzt – vor allem zur Kontaktnachverfolgung, für Corona-Tests und zur Kontrolle von Quarantäne. In großem Umfang konnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Verwaltung der Städte und Landkreise umgesetzt werden. Es wurde auch zusätzliches Personal eingestellt oder durch Amtshilfe eingesetzt.

Und da die meisten Gesundheitsämter planen, zusätzliche Ärzte wie auch weitere medizinische Fachangestellte, Sachbearbeiter und anderes nichtärztliches Personal einzustellen, zeigt mir, das Deutschland nicht nur im Bereich der Politik in Berlin gut aufgestellt ist, sondern auch im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Und das macht mir, neben vielen anderen Dingen auch Hoffnung, dass wir die Corona-Pandemie bald hinter uns lassen können.

Mit den besten Grüßen aus München – und passen Sie auf sich auf!

Florian Peter
flop@flop-pm.de

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