Ausgabe 12/2019

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Wo stehen die deutschen Großstädte in punkto Standortqualität, Wirtschaftskraft und Zukunftsperspektive? Wirtschaftswoche und Immobilienscout 24 haben dafür im Städte-Ranking 2019 alle 71 kreisfreien Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern unter die Lupe genommen. Im Zukunftsindex verteidigt Darmstadt den ersten Platz, München liegt erneut im Niveau-Ranking vorn. Im Dynamik-Ranking erobert Berlin den ersten Rang. Die Autostädte Wolfsburg und Ingolstadt rutschen deutlich ab. 30 Jahre nach dem Mauerfall finden sich Leipzig und Jena in sehr guter Verfassung. Das Ruhrgebiet bleibt wirtschaftlich schwach, während Süddeutschland weiter zulegt.

In Zusammenarbeit mit der Wirtschaftswoche und Immobilienscout 24 hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln seinen jährlichen großen Städtetest erhoben. Die Analyse setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen. Das Niveau-Ranking vergleicht die Ist-Werte von 52 Einzelindikatoren, also die aktuelle Situation. Das Dynamik-Ranking untersucht die Veränderung von 36 Indikatoren in einem Zeitraum von fünf Jahren. Darin zeigen sich Chancen für Städte mit schlechter Ausgangslage.
„Unsere gemeinsame Datenanalyse mit dem Institut der deutschen Wirtschaft und der Wirtschaftswoche zeigt die Verschiebungen im Gefüge der Großstädte und deren teilweise starke Abhängigkeit von einzelnen Wirtschaftszweigen wie der Autoindustrie. Im Jubiläumsjahr des Mauerfalls nimmt Berlin erstmals den ersten Platz im Dynamik-Ranking ein. Auch Leipzig und Jena entwickeln sich erfreulich im Gegensatz zu den Autostandorten“, kommentiert Dr. Thomas Schroeter, Geschäftsführer von Immobilien- scout 24. Und Beat Balzli, Chefredakteur der Wirtschaftswoche, ergänzt: „Das Städte-Ranking ist auch ein Gradmesser für die Managementqualität im Kommunalbereich. Die Aufsteiger zeigen, wie sich die Fokussierung auf die Standortattraktivität für eine Metropole auszahlen kann.“

Klassische Auto- und Industriestädte sind im Niveau-Ranking im Vergleich zum Vorjahr deutlich abgerutscht. Ingolstadt fällt von Rang 2 auf 4, Wolfsburg von 5 auf 7. Wesentlicher Grund: Ihre Steuerkraft hat sich im Vergleich zu 2012, dem Jahr der Hochkonjunktur in der Automobilindustrie, deutlich verschlechtert. Während sie im Durchschnitt über alle Städte in den letzten fünf Jahren um knapp 200 Euro je Einwohner stieg, ist sie in Wolfsburg und Ingolstadt gefallen – am deutlichsten in Wolfsburg um 176 Euro je Einwohner. München verteidigt den ersten Platz im Niveau-Ranking zum siebten Mal in Folge. Erlangen klettert von Platz 4 auf 2, den dritten Rang belegt erneut Stuttgart. Verbessert haben sich Frankfurt/Main (von 6 auf 5) und Hamburg, das von Platz 11 im Vorjahr wieder auf Rang 9 in die Top 10 zurückgekehrt ist. Regensburg steigt von Platz 7 auf 6 auf, Würzburg verteidigt Rang 10 sowie Ulm Platz 8. Am unteren Ende der Tabelle verharren Bremerhaven auf Rang 69 sowie die Ruhrgebietsstädte Herne auf Platz 70 und Gelsenkirchen auf dem Rang 71.

Im Dynamik-Ranking hat sich einiges getan. Den ersten Platz erobert Berlin. 30 Jahre nach dem Mauerfall führt die Hauptstadt erstmals dieses Ranking an und ist die dynamischste Großstadt der Republik. Berlin hat vor allem am Immobilien- und Arbeitsmarkt eine außerordentliche Dynamik entfaltet. In den sechs Jahren von 2012 bis 2017 sind rund 250.000 Menschen mehr nach Berlin gezogen als abgewandert sind. Das entspricht einer mittleren Großstadt und hat die Nachfrage stark verschärft. Nirgendwo zogen die Mietpreise daher so kräftig an wie in Berlin. Auch die Preise für Eigentumswohnungen wuchsen überdurchschnittlich stark. Leipzig zeigt ebenfalls eine hohe Dynamik. 30 Jahre nach den Montagsdemonstrationen liegt die Stadt auf Rang 9 der dynamischsten Großstädte Deutschlands.

Mit den besten Wünschen auch für’s Weihnachtsfest und das Jahr 2020
Florian Peter

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