Ausgabe 9/2018

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Die Brückenkatastrophe von Genua hat uns dramatisch vor Augen geführt, wie wichtig es ist, die Infrastruktur in Schuss zu halten. Ohne an dieser Stelle mit möglichen Ursachen und daraus ableitbaren Schuldzuweisungen vorpreschen zu wollen, so hätte das tragische Unglück von Genua unter Umständen verhindert werden können, wenn die Morandi-Brücke immer wieder ganz genau unter die Lupe genommen worden wäre. Schließlich scheint eines sicher: An fehlender Ingenieurkunst oder dem Unwetter, das zum Zeitpunkt des Unglück geherrscht hat, kann der Einsturz nicht gelegen haben.

Brücken, Straßen, Schienenstränge – gerade auch in Deutschland wurde die Infrastruktur über Jahrzehnte hinweg sträflich vernachlässigt. Allerdings nicht so sehr in Sachen Sicherheit, denn wenn in unserem Land etwas perfekt funktioniert, sind das (auch) technische Kontrollen mit all ihren Regelwerken und TÜVtlern. Sicherheitsrelevante Schwachstellen wurden und werden in aller Regel rechtzeitig erkannt. Und dann wird auch konsequent gehandelt. Deutsche Gründlichkeit eben!

Doch diese deutsche Gründlichkeit ist vor (!) dem Entdecken von sicherheitskritischen Situationen zuletzt abhanden gekommen, nämlich bei der Pflege der Infrastruktur: Brücken mit Tempolimits für Lkw und Pkw, Langsamfahrstrecken für die Hochgeschwindigkeitszüge der Bahn, holprige Bundesstraßen, bei Hitze explodierende Autobahn-Betondecken. Bei einer intakten, weil gepflegten und in Schuss gehaltenen Infrastruktur, die eben nicht auf Verschleiß gefahren wird, sind Totalverluste eine absolute Seltenheit. Und die permanente Pflege der Anlagen unterm Strich immer deutlich günstig ist als ein kompletter Neubau.

Doch nicht nur der Bund hat hier in der Vergangenheit mächtig geschludert, auch in Ländern, Landkreisen sowie Städten und Gemeinden hat man unter Hinweis auf fehlende Gelder lange Zeit nur das Allernötigste getan. Und das fing, zum Beispiel in den Kommunen, schon im Kleinen an. Wucherndes Unkraut auf Gehwegen und im Rinnstein – man ließ es einfach wachsen, statt ein-, zweimal im Jahr für ein paar 100 Euro dem ungeliebten Grün den Garaus zu machen. Nach einigen Jahren waren die Gehwege derart marode, dass sie für viel, viel Geld neu gebaut werden mussten. Oder die Straßen, bei denen, wenn überhaupt, Schlaglöcher nur notdürftig geflickt wurden.

Ergebnis: Im Winter gefror das Wasser, die Asphaltdecke platzte auf. Ein komplett neuer Straßenbelag für ebenfalls viel Geld musste zwangsläufig eingebaut werden. In Zeiten einer mehr als robusten Konjunktur und der damit verbundenen Steuereinnahmen, die auch bis hinunter in die kommunalen Kassen fließen, in Zeiten eines milliardenschweren Investitionsprogramms des Bunds sind die Städte und Gemeinden nunmehr in der Lage, nicht nur ihre Infrastruktur auf Vordermann zu bringen, sondern es müsste auch noch für die Zukunft genügend Geld vorhanden sein, diese zu pflegen und tatsächlich auch auf Vordermann zu halten. Denn eine stets funktionierende Infrastruktur – und dazu gehören auch Breitbandkabel, Strom-, Gas- und Wassernetze – dient nicht nur der Wirtschaft, sondern jedem Bürger.

Also denn, liebe Stadt- und Gemeinderäte: Rettet unsere Infrastruktur jetzt, denn selten war die Situation dafür so günstig!

Mit herzlichen Grüßen aus München!
Florian Peter
Chefredakteur

f.peter@kbdonline.de

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