Ausgabe 11/2018

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Die Preisverleihung des Wettbewerbs „Kommune bewegt Welt“ hat Ende September in Berlin-Mitte stattgefunden. Der Wettbewerb zeichnet herausragende kommunale Beispiele zu Migration und Entwicklung aus. Bereits zum dritten Mal wurde der Preis an Städte, Landkreise und Gemeinden verliehen, die sich gemeinschaftlich mit migrantischen Organisationen und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren für eine global nachhaltige Entwicklung einsetzen. Ein Wettbewerb, der, wie ich finde, nicht nur positive Signale aussendet, sondern in der heutigen Zeit, in der sich rechtes und egoistisches Gedankengut nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa, ja, der ganzen Welt immer mehr verbreitet, immens wichtig ist.

Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller: „Die Kommunen sind für unsere Entwicklungszusammenarbeit geschätzte und wichtige Partner – sie haben das Wissen und kennen die Lösungen für die Herausforderungen, vor denen auch andere Kommunen in aller Welt stehen. Das zeigen auch die hier ausgezeichneten Kommunen dieses Wettbewerbs. Integration ist keine Einbahnstraße – und wir können profitieren, wenn Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind, ihren Horizont und ihr Wissen mit einbringen und der kommunalen Entwicklungspolitik neue Impulse geben. Gerade vor dem Hintergrund aktueller Debatten ist es wichtig, die Leistungen von Migrantinnen und Migranten in unseren und für unsere Kommunen zu würdigen.“

Was wäre denn schon jetzt, wenn wir keine Menschen (mit Migrationshintergrund) in Deutschland hätten, Menschen, die sich integriert haben und ausgebildet wurden? Es würde sich hierzulande nicht mehr viel bewegen! Zum Großteil aus dem Ausland kommende Arbeiter schrauben unsere Autos zusammen, sind als Lokführer aktiv, beseitigen unseren Müll, buddeln Straßen zur Verlegung von neuen Glasfaserkabeln auf, bauen im Untergrund an Stuttgart 21 ebenso wie an der zweiten Stammstrecke in München. Sind in der Pflege aktiv. Und, und, und … Diese Menschen werden – Stichwort demografischer Wandel – in Zukunft immer mehr gebraucht. Händeringend!

Da sind Beispiele, die der Wettbewerb Kommune bewegt Welt nun ausgezeichnet hat, überaus zu begrüßen, weil sie besonders wertvoll sind. Etwa die Stadt Saarbrücken, die in der Kategorie „über 100.000 Einwohner“ gezeigt hat, wie es eine Stadt richtig machen kann. Die Landeshauptstadt an der Saar hat sich aufgrund ihres langjährigen Engagements und der Zusammenarbeit mit Migrantinnen und Migranten im Bereich Fairer Handel durchgesetzt. Laut der Jury ziehen sich die Themen Fairer Handel und Faire Beschaffung wie ein roter Faden durch die entwicklungspolitische Arbeit der Stadt. Das Engagement ist authentisch, da Migrantinnen und Migranten als „Botschafterinnen und Botschafter des Fairen Handels“ aus dem globalen Süden berichten und als Referentinnen und Referenten in entwicklungspolitischen Regionalforen fungieren.

Auch die Stadt Engen („bis 20.000 Einwohner“) landete im Wettbewerb auf Platz 1. Das Thema Migration und Entwicklung wird von der Stadt Engen als Querschnittsthema von Kultur- und Hauptamt behandelt, wobei sehr eng mit der Zivilgesellschaft kooperiert wird. Im Mittelpunkt des gemeinsamen Engagements von Kommunalverwaltung und Zivilgesellschaft steht die Veranstaltungsreihe „Unser buntes Engen“. Dabei handelt es sich um Länderabende, die von den jeweiligen Migrantinnen- und Migrantengruppen in Kooperation mit der Stadt vorbereitet, durchgeführt und moderiert werden. Dr. Jens Kreuter, Geschäftsführer der Engagement Global, stellte fest: „Die große Zahl und die Bandbreite der Bewerbungen zeigt, wie viele herausragende Beispiele es für Zusammenarbeit gibt und wie groß das Interesse für Entwicklung ist. Dieser Wettbewerb ist eine Mutmachgeschichte für alle, die sich engagieren. Das ist eine enorm positive Botschaft und an sich schon einen Preis wert.“

Und solche Mutmachgeschichten braucht es in der heutigen Zeit. Sehr gerne natürlich auf der „untersten“ Ebene, nämlich in Städten und Gemeinden. Aber erst recht natürlich auch auf Kreis-, Landes- und bundesweiter Ebene. Positive Beispiele, die Mut machen und den rechten Strömungen in unserem Lande die Basis entziehen.

Mit den besten Grüßen
Florian Peter

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