Ausgabe 01-02/2019

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Sozialer Zusammenhalt entsteht nicht von allein

Wie lässt sich sozialer Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft angesichts von Zuwanderung und zunehmender Vielfalt gestalten? Diese Frage diskutierten Anfang Dezember über 100 Expertinnen und Experten aus der kommunalen Praxis, der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik sowie der Wissenschaft bei der Fachtagung „(Neu-)Zuwanderung bewegt – sozialer Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft“. Zum Austausch hatten das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu), die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, die Bertelsmann-Stiftung und die Robert-Bosch-Stiftung nach Berlin eingeladen. Zu einer Veranstaltung, deren Ergebnisse ich an dieser Stelle in Auszügen vorstellen möchte.
Die Zuwanderung von Geflüchteten der vergangenen vier Jahre war in dieser Dimension neu und stellt bis heute eine Herausforderung dar – vor allem für die Kommunen. Dabei stehen Fragen der längerfristigen Integration in die Gesellschaft ebenso im Fokus wie die Folgen verstärkter Migrationsbewegungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Integration stellt sowohl Anforderungen an die Zugewanderten als auch an die Stadtgesellschaft, denn vor Ort muss ein guter Umgang mit Vielfalt gefunden werden. Klar ist auch: Integration gelingt nicht kurzfristig. Deshalb werden Städte und Gemeinden dauerhaft intensiv mit dem Thema befasst sein. Drei Zitate möchte ich exemplarisch herausheben.

Professor Dr. Carsten Kühl, Geschäftsführer und Institutsleiter des Difu, würdigte in seiner Begrüßung die Leistungen der Städte, hob aber auch die Verantwortung von Bund und Ländern hervor: „Die Städte haben einen großen Anteil daran, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht und die neu Zugewanderten sich als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger verstehen. Städte benötigen dafür passende politische Rahmenbedingungen sowie ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen. Basis einer gelingenden Integration ist adäquates Wohnen. Erhebliche Investitionen in die soziale Wohnraumförderung, neue boden- und mietenpolitische Instrumente zur Begrenzung von Spekulation, Immobilien- und Mietpreisentwicklung sind wichtige Bausteine, damit das Wohnen in den städtischen Nachbarschaften für alle leistbar bleibt.“

Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration betonte in ihrem Grußwort: „Unsere Städte und Gemeinden haben in den letzten Jahren Enormes geleistet bei der Aufnahme von Geflüchteten und bei ersten Schritten der Integration. Integration und Vielfalt sind eine Daueraufgabe und eine Dauerchance für unser Land. Bei der Weiterentwicklung städtischer Strukturen müssen wir diese Daueraufgabe immer mitdenken. Stadtentwicklung und Integration müssen noch stärker gemeinsam gedacht und geplant werden. Dazu gehört, die soziale Infrastruktur in den Quartieren zu verbessern und Orte der Begegnung und Integration zu schaffen.“
Stephan Vopel, Direktor Programm Lebendige Werte der Bertelsmann-Stiftung: „Damit das Zusammenleben in vielfältigen Städten gelingt, ist eine proaktive Gestaltung des Miteinanders durch lokale Politik und Verwaltung notwendig. Besonders wichtig ist dabei auch die Beteiligung der zivilgesellschaftlichen Akteure in den Kommunen. Denn eines ist deutlich geworden: Die Bürgerinnen und Bürger haben durch ihr ehrenamtliches Engagement einen enormen Beitrag dazu geleistet, die Herausforderungen durch Flüchtlingszuwanderung zu meistern.“

Der Blick richtete sich bei der Tagung sowohl auf die großen als auch die kleineren Städte in den eher ländlichen Regionen, deren Leistungen allesamt gelobt und gewürdigt wurden. Bleibt nur zu hoffen, das seitens der großen Politik den hehren Worten auch weiterhin unterstützende Taten, zum Beispiel in Bezug auf finanzieller Ausstattung der Kommunen, folgen werden. Denn sozialer Zusammenhalt entsteht in der Tat nicht von allein.

Mit den besten Grüßen
Florian Peter

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