Dachbegrünung: Das Umkehrdach etabliert sich

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Kommunale Strategien für Wohnraum, erneuerbare Energien, Umwelt- und Klimaschutz und zur Bekämpfung der lokalen Folgen des globalen Klimawandels sind mehr und mehr gefragt. Dabei sind besonders die ausgleichenden Wirkungen begrünter Flächen von entscheidender Bedeutung – entsprechende Flächenressourcen sind in dicht besiedelten Stadtgebieten allerdings kaum vorhanden. Ein enormes, derzeit noch weitgehend brachliegendes Flächenpotenzial schlummert dafür auf den Dächern der Städte, das sich durch Dachbegrünungen aktivieren ließe: „Als Bestandteil von Konzepten für die Überflutungs- und Hitzevorsorge ist die Dachbegrünung ein wirksames, vergleichsweise einfaches und günstiges Instrument der Klimafolgenanpassung, die nicht in Konkurrenz zu anderen Technologien steht und bei der eine hohe Akzeptanz der Bürger zu erwarten ist“, so Dr. Gunter Mann vom Bundesverband Gebäudegrün (Bugg).

Derzeit werden lediglich etwa 9 Prozent der neu entstehenden Flachdächer begrünt und nur 18 Prozent der Dachbegrünungen auch tatsächlich durch den Menschen als zusätzliche Nutz- und Freizeitfläche ausgestaltet. Ein Hinderungsgrund ist oft das mangelnde Wissen und ein Negativimage der Flachdächer. In den 60er-Jahren galten Flachdächer als Problemfall. Es galt als leckageanfällig und undicht. Dieses Image hält sich zum Teil immer noch. Dabei sind heute Materialien und Technologien so ausgereift, dass diese Risiken ausgeschlossen werden können.

Norbert Buddendick, FPX-Geschäftsführer, weist auf die vorhandenen Lösungen hin: „Die moderne Umkehrdach-Bauweise etabliert sich als Standard beim Flachdach, da es die Abdichtungen vor Verschleiß schützt und somit vor Durchnässung. Dadurch verdoppelt sich die Lebensdauer des Dachs. Zudem hat das Umkehrdach bei der Nutzung des Dachs für Fotovoltaik noch den entscheidenden Vorteil, dass es während der Bauphase und auch bei der Wartung problemlos begehbar bleibt, da nicht die Gefahr der Dachhautverletzung besteht.“

In Sachen Nutzungsgewinn und Mehrwert lässt ein Flachdach – als Umkehrdach konzipiert – viel Planungsspielraum. Vor allem großflächige, kommunale Dachbegrünungen können als Retentionsdächer einen großen Beitrag zur Entlastung der örtlichen Kanalisation leisten, indem sie als Zwischenspeicher und Rückhalte von Regenwasser dienen. Diese Kernfunktion erhält vor dem Hintergrund der immer häufiger vorkommenden lokalen Starkregenereignisse eine immense Bedeutung, da auf diese Weise enorme Folgeschäden durch großflächige Überschwemmungen im Bereich der öffentlichen Infrastruktur sowie privater Gebäude minimiert beziehungsweise mit einem ganzheitlich-nachhaltigen Begrünungskonzept auch ganz verhindert werden können.

Als wichtiger Nutzen eines begrünten Flachdachs etablierte sich in den letzten Jahren dessen gleichzeitige Nutzung zur Gewinnung von Sonnenenergie. Flachdächer gehören zu den dankbarsten Standorten für Solaranlagen, weil die Solarmodule in benötigter Größe, mit bestmöglichem Neigungswinkel und idealer Südausrichtung eingestellt und so optimal genutzt werden können. Ein wesentlicher Synergieeffekt: Begrünte Dächer sorgen dafür, dass Fotovoltaikanlagen im Sommer mehr Leistung bringen. Der Wirkungsgrad der meisten Fotovoltaikmodule sinkt, wenn sich die Betriebstemperatur über 25 Grad Celsius aufheizt. Da sich ein herkömmliches Flachdach bei Sonneneinstrahlung bis über 80 Grad aufheizt, eine begrünte Dachfläche aber nur bis zirka 35 Grad, erzielen Solarmodule in Kombination mit einer Dachbegrünung eine weitaus höhere Leistung. Die Kombination von Solar und Grün rechnet sich somit nicht nur im Neubaubereich, sondern ist ebenso für Dachsanierungen interessant.

Kommunale Gründächer haben Signalwirkung und sind sichtbares Zeichen für gute nachhaltige Kommunalpolitik. Lokale Projekte zur Gebäudebegrünung können durch das Konjunkturprogramm von Bund und Ländern im Rahmen der Corona-Krise angegangen und umgesetzt werden. Das Konjunkturprogramm als Kombination von Wirtschaftsförderung und Klimaanpassung durch Gebäudebegrünung bietet eine ideale Möglichkeit, nachhaltige Impulse bei Beschäftigung und grüner Stadtentwicklung zu schaffen.

Kennwort: FPX
Fotos: FPX, Bugg

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